Manchmal, wenn man es am wenigsten erwartet, aber vielleicht am meisten braucht,

findet man sich an einem unbekannten Ort wieder, mit Menschen, die man gleichfalls nicht kennt,

und erfährt neue Dinge.

 

John findet sich plötzlich auf einer unbekannten Straße wieder, seit Stunden unterwegs, hungrig, genervt, müde. Auf einmal taucht in der Ferne ein weißes, rechteckiges Gebäude auf: Das Cafe der Fragen. John hat in diesem Moment keine Ahnung, was in dieser Nacht noch alles auf ihn zukommen würde…

Auf der Rückseite der Speisekarte befindet sich nämlich mehr als eine überaus großzügige Liste der Nachspeisen: Dinge über die Sie nachdenken können, während Sie warten:

  1. WARUM BIST DU HIER?

Diese Frage erinnerte mich an ein Buch, das ich in der Schule gelesen habe: „Sophie’s Welt“. In diesem Buch heißt es, dass die besten Philosophen Kinder sind, weil sie immer alles hinterfragen und auch die besten Fragen stellen. Denn zu Beginn beantwortet John die Frage damit, dass er die Orientierung verloren hat und deswegen in diesem Cafe gelandet sei. In diesem Moment weiß er aber nicht, dass man diese Frage noch ganz anders betrachten kann.

Warum bist du hier?

Warum bin ICH hier?

Warum bin ich genau in diesem Moment an diesem Ort?

Warum existiere ich?

Warum bin ich auf dieser Erde?

Ich persönlich habe mir diese Fragen in gewisser Art und Weise schon öfters gestellt. Warum bin ich denn eigentlich hier, am Leben, auf dieser Welt? Was gibt es für einen Grund, warum gerade ich? Gibt es einen Grund dafür, warum ich existiere und wenn ja, welchen?

„Ich weiß nicht, warum sich irgendjemand diese Frage je stellen sollte. Ich habe sie mir nie gestellt und mir geht es gut“ (John)

Im Laufe meines Studiums bin ich öfters mal über das Höhlengleichnis von Platon gestoßen. Im Prinzip geht es in einem Teil darum, dass viele Menschen in ihrem Alltag leben und nicht glauben wollen, dass es in der Welt draußen noch mehr gibt, als das, was sie jeden Tag erleben. Ich kann es manchmal gut verstehen, dass man in seiner bequemen, bekannten und gemütlichen Welt verweilen will. Manchmal braucht man den eintönigen Alltag, manchmal braucht man das beruhigende Gefühl, die Sicherheit. Manchmal ist man einfach zufrieden, mit dem was man hat und verspürt nicht das Bedürfnis nach mehr.

„Vielen Menschen geht es gut. Aber manche Menschen streben nach etwas Erfüllenderem, etwas Größerem.“

Es geht darum, seinen eigenen ZDE zu finden, den Zweck der Existenz, also den Grund, warum man hier ist, seine Erfüllung, Bestimmung, Leidenschaft.

Die Geschichte, die mich glaube ich am meisten angesprochen hat, war die Geschichte von Mike, dem Koch. Er spricht von einem Fischer, der jeden Morgen mit seiner Familie verbringt, fischen geht und dann am Abend wieder mit seiner Frau und Kindern am Strand spazieren geht. Ein Geschäftsmann will von ihm wissen, warum er nicht mehr Fische fängt, diese verkauft, weitere Boote zum Fischen kauft und daraus ein Geschäft macht um viel Geld zu verdienen und sich irgendwann zur Ruhe zu setzen um das zu machen, was er liebt. Doch der Fischer meint, dass er dann wieder genau dies machen würde; mit seiner Familie frühstücken, Fischen gehen und den Abend am Strand mit seiner Frau und Kindern verbringen, denn genau das liebt er. Diese Geschichte soll John dies näherbringen:

Wir warten immer auf den einen Moment, den einen Tag X an dem wir in unserer Vorstellung alles haben werden und glücklich sind. John stellt sich, genau wie ich, die Frage, warum wir nicht gleich ein Leben führen, in dem wir jetzt, jeden einzelnen Tag, in jedem Moment glücklich sein können?

Jeder Tag bietet mir die Gelegenheit zu tun was immer ich möchte.

John fragt sich in diesem Moment, warum nicht jeder einfach das macht, was er will. Mike stellt ihm darauf die Frage, warum denn er nicht einfach das macht, was er will. Seine Antwort ist mir sehr nahe gegangen, denn es steckt meiner Meinung nach sehr viel Wahrheit darin und ich kann mir gut vorstellen, dass es vielen Menschen so geht.

„Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht genau. Ich wusste eigentlich nicht, was ich studieren sollte, als ich an die Universität ging. Schließlich entschied ich mich für ein Studienfach, das mir irgendwie gefiel. Außerdem erzählten mir viele Leute, dass man in diesem Bereich mit einem Abschluss gute Chancen auf einen Job hätte. Als ich mit dem Studium fertig war, begann ich zu arbeiten, und dann konzentrierte ich mich immer stärker darauf, Geld zu verdienen. Nach einer Weile bekam ich ein ziemlich gutes Gehalt und gewöhnte mich irgendwie an die Alltagsroutine.“

Warum verbringen wir so viel Zeit damit, uns auf den Zeitpunkt vorzubereiten, zu dem wir tun können, was wir möchten, anstatt es einfach sofort zu tun?

Dies führt John zur nächsten Frage auf der Speisekarte:

  1. HAST DU ANGST VOR DEM TOD?

Wenn jemand sich selbst fragen würde, warum er hier ist, wenn er die Dinge tun würde, die er möchte und die seiner Bestimmung entsprechen, warum sollte er dann Angst vor dem Tod haben? Man kann nicht mehr befürchten, keine Möglichkeit mehr zu haben, etwas zu tun, wenn man es bereits getan hat oder es jeden Tag macht.

  1. FÜHRST DU EIN ERFÜLLTES LEBEN?

John stellt sich hier genau die gleichen Fragen, die ich mir auch immer und immer wieder stelle.

Was geschieht, wenn ich mich frage, warum ich hier bin, und dabei herausfinde, was ich tun möchte? Was ist, wenn ich dann nicht weiß, wie ich es umsetzen soll, oder wenn ich keinen entsprechenden Job finde? Wie soll ich dann mein Geld verdienen? Wovon soll ich mich ernähren und wie soll ich etwas für den Ruhestand zurücklegen? Was ist, wenn ich diese neuen Dinge nicht gut kann, was immer es auch sein mag? Und was ist, wenn es sich um Dinge handelt, über die andere Leute lachen oder die sie nicht respektieren?

Casey wies ihn darauf hin, dass man alles, was man machen will, mit Begeisterung macht. Und alles, was man mit Begeisterung macht, wird einem im Endeffekt Erfolg bringen.

Manche Leute sind der Vorstellung, dass ihr Leben einen bestimmten Sinn hat, einfach nie begegnet. Andere verstehen das Prinzip, sind sich aber nicht sicher, ob ihr Leben einen bestimmten Zweck erfüllt. Dann gibt es Menschen, die aufgrund ihrer Erziehung, des Umfelds, in dem sie leben, oder vielleicht aufgrund religiöser Überzeugungen glauben, dass sie nicht das Recht haben, ihren ZDE zu erfüllen. Sogar Menschen, die spüren, dass sie einen ZDE haben, und die denken, dass sie das Recht haben, ihn zu erfüllen, glauben manchmal nicht, dass sie dies umsetzen können.

Genauso wie wir frei entscheiden können, was wir tun möchten, sobald wir die Antwort kennen, liegt es auch in unserer Macht, die Antwort zu finden.  Das heißt also, dass man nicht einfach abwarten kann, nachdem man den ersten Schritt gemacht hat. Wenn jemand wirklich wissen möchte, warum er hier ist, muss er die Antwort selbst herausfinden.

Wenn man vor der Entscheidung steht, ein Leben zu führen, das der eigenen Bestimmung entspricht, oder so weiterzuleben wie bisher, sollte man eigentlich annehmen, dass einem die Wahl leichtfällt. Aber so ist es nicht…

Die meisten Menschen beenden ihre Reise an diesem Punkt. Sie spähen durch ein Loch im Zaun und können deutlich das Leben erkennen, das sie gerne haben würden, aber aus allen möglichen Gründen öffnen sie das Tor nicht und gehen nicht auf dieses Leben zu…

Ich glaube wirklich, dass es sehr viele Menschen gibt, denen es so ergeht. Tagtäglich begegne ich solchen Menschen. Menschen, die Dinge sagen wie „Ich wünschte, ich könnte das machen“, „Hätte ich das doch gemacht“, oder die sich immer wieder über ihren Job oder generell ihre Lebenssituation beschweren. Menschen, die sich wünschen, dass manche Dinge anders wären aber ihr Leben aus irgendeinem Grund nicht selbst in die Hand nehmen und etwas daran ändern. Dies ist eine meiner größten Ängste. Dass ich irgendwann einmal aufwache und mitten in einem Job stecke, der mir nicht gefällt oder mir wünschte ich hätte viel mehr aus meinem Leben gemacht.

Dieses Meisterwerk von John Strelecky hat mich auf so viele Arten berührt und hat mich nicht nur 1 mal dazu gebracht, es beiseite zu legen und über mein eigenes Leben, meine Entscheidungen und Wünsche, meine Ausbildung und Zukunft und generell über meinen ZDE nachzudenken. Auch wenn ich mir viele der Fragen an bestimmten Punkten in meinem Leben schon gestellt habe, war es trotzdem sehr interessant neue Blickwinkel zu bekommen und zu sehen, dass ich nicht die einzige bin, die sich diese Fragen stellt.