„Im Staub rund um die Stadt Kadahar kämpften die Afghanen mit den Briten. Es war eine fürchterliche Schlacht. Viele Männer starben. Da stürmte plötzlich ein kleines Mädchen aus einem der Häuser des Dorfes. Sie rannte mitten durch die kämpfenden Truppen bis vor die Kampflinie und wandte sich nach den afghanischen Soldaten um. Sie riss ihren Schleier vom Kopf, und während die heiße Sonne auf ihr Gesicht und den bloßen Kopf brannte, schrie sie den afghanischen Truppen zu: „Wir können diesen Kampf gewinnen! Gebt die Hoffnung nicht auf!“ Die Afghanen gewannen die Schlacht. Und was ihr daraus lernen könnt, meine Töchter“, sagte Vater, „In Afghanistan hat es immer schon die tapfersten Frauen der Welt gegeben. Ihr seid alle tapfere Frauen. Ihr seid die Erbinnen des Mutes von Malali.“

Angefangen hat es damit, dass ich letztes Semester für eine Lehrveranstaltung ein Jugendbuch lesen und rezensieren sollte. Da ich, wie fast jedes Mal wenn ich einen Arbeitsauftrag bekomme, wieder mal spät dran war, spielte ich mit dem Gedanken, mir einfach eine Rezension aus dem Internet zu suchen, denn „es geht sich ja niemals aus jetzt noch ein ganzes Buch zu lesen“. Und dann erinnerte ich mich an ein Buch, von dem mir meine Schwester schon oft erzählt hatte und das sie, als sie noch jung war, gelesen und geliebt hatte. Und da dieses Jugendbuch nicht mehr als 130 Seiten hat, hatte ich auch keine Ausrede mehr, mich doch hinzusetzen und tatsächlich ein ganzes Buch für diese Aufgabe zu lesen. Und auch wenn ich nicht wirklich motiviert war dieses Buch zu lesen, da ich es ja lesen musste hat es mich doch ganz schnell und ohne dass ich es realisiert habe, in seinen Bann gezogen.

Deborah Ellis, die Autorin dieses Meisterwerkes, ist Schriftstellerin und Psychotherapeutin. Bevor sie 2000 diese Geschichte eines jungen Mädchens aus Afghanistan schrieb, verbrachte sie viele Monate in afghanischen Flüchtlingslagern in Pakistan und Russland. Sie führte viele Gespräche mit Frauen und Mädchen und traf die Mutter und Schwester eines Mädchens, das eine ähnliche Geschichte erlebte wie Parvana, die Protagonistin dieses Romans.

Die Soldaten zogen ihren Vater aus der Wohnung hinaus, und Parvana schlang ihre Arme fest um seinen Leib. Die Soldaten rissen sie mit Gewalt los. Parvana hörte ihren Vater sagen: “Pass auf die anderen auf, meine kleine Malali!“ Dann war er weg.

Dieses Buch erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens aus Afghanistan und ihrer Familie. Seitdem die Taliban in der Stadt sind, dürfen Frauen nicht mehr alleine auf die Straße. Parvana muss sich, als ihr Vater von Taliban Soldaten verhaftet wurde, als Junge verkleiden um auf dem Markt Geld für ihre Familie zu verdienen. Einerseits fürchtet sie, dass sie die Taliban als Mädchen erkennen, andererseits muss sie für ihre Familie sorgen. Viele Hindernisse liegen für die Familie bereit, doch Parvana will den Gedanken nicht aufgeben, dass ihr Vater irgendwann zurückkehrt.

„Ich möchte am liebsten ein ganz normales Kind sein“, sagte Parvana. „Ich möchte in einer Klasse sitzen und nach Hause gehen und essen, was ein anderer verdient hat. Ich will, dass mein Vater wiederkommt, und ich will ein ganz normales, langweiliges Leben haben!“

Mich hat dieses Buch in vielerlei Hinsicht überrascht und bewegt. Zu lesen, wie sehr ein Vater an seine Kinder glaubt und wie viel er ihnen auf ihrem Weg mitgeben konnte, hat mich sehr berührt. Auch andere Menschen, die in das Leben dieser Familie treten, stehen an ihrer Seite, unterstützen sich gegenseitig und stehen fest hinter dem, was sie glauben. Diese Geschichte zeigt, wie viel einzelne Menschen bewegen können und dass man sehr viel erreichen kann, wenn man nur fest daran glaubt und sich gegenseitig unterstützt. Außerdem öffnet uns dieses Buch die Augen für eine Welt, die wir uns nur schwer vorstellen können, die aber leider für sehr viele Realität ist.

Während Parvana zum Markt ging, merkte sie, wie leicht ihr Kopf war ohne das Gewicht der Haare und des Tschadors. Sie spürte die Sonne auf ihrem Gesicht und den leichten Wind, der frisch und angenehm von den Bergen kam.

Auch wenn es ein Jugendbuch und dadurch sehr einfach und kurz geschrieben ist, hat mich diese Geschichte sehr berührt und ich kann es nur weiterempfehlen, dieses Buch zu lesen, egal wie jung oder alt man ist 😉